(6. Monat) Märchenwelt Deutschland

Thomas, ein Altenpfleger aus der Nähe von Herford hat diesen schönen Begriff „Märchenwelt Deutschland“ in die Dunkelheit von Laos laut ausgesprochen. Das war für mich DIE Überschrift für diese kleine Geschichte über „Gott und die Welt“. Es war kein Stammtisch Gespräch sondern vielmehr die Beobachtungen von den bereisten Ländern. Wir, das sind die Teens, ich und Thomas haben unsere Erlebnisse zusammen getragen mit sehr viel Leidenschaft. Warum, wieso, weshalb sind manche Zustände in den Ländern wie sie gerade sind und wo ist der Unterschied zu Deutschland und was könnten WIR besser machen.
Ich möchte sie gerne am Gespräch teilhaben lassen. Wir sitzen auf der kleinen Dachterrasse von unserem Hotel. Kleine Stühle und ein kleiner Tisch stehen dort im dunkeln. Thomas mit einem Joint in der Hand und einem Kakao auf dem Tisch. Offenes Hemd, seine blond gelockten Haare zu einem Zopf gebunden und seine runde schwarze Brille gibt ihm das Aussehen zwischen Backpacker in der MidLifeCrisis, einem gealterten Hippie oder auch einem Deutschen der das Leben so nimmt wie es kommt und mit allem was es zu bieten hat annimmt. Mit anderen Worten, er ist ein super sympathischer Typ mit ganz viel Herz und Seele. Er hat die Teens sofort gefangen genommen, er redete mit den Jungs auf Augenhöhe, hörte ihnen zu und konterte in „ihrer“ Sprache.
Am Orts Ende berichtete er, wird ein neues großes gläsernes Gebäude gebaut, ob wir das gesehen haben, fragte er. Leider ist es uns nicht aufgefallen, es ist ein neues Gebäude von der Firma Nestle. Sie wird dort Wasser aufbereiten und abfüllen und verkaufen. Es passt gar nicht in die Landschaft! Drum herum sind kleine Hütten und Häuser und nun kommt so ein großes Prunkgebäude. Er überlegt wie viele Arbeitsplätze es bringt und wie neutral der Fußabdruck dann in Laos zukünftig sein wird.

Eines steht auf jeden Fall fest, wenn es sich nicht lohnen würde, dann würden sie dies nicht tun. Wir kamen von den Hütten, die um das Gebäude zukünftig im Schatten stehen werden und der Kluft zwischen reichen westlichen Unternehmen zu der Situation vor Ort. Er erzählte uns, das er erst letzte Woche einer Familie, wo der Vater krank geworden war und seine Arbeitskraft in der Familie wegfällt, einen Kühlschrank gekauft hat. „Sie brauchten diesen so dringend! und mich macht es nicht ärmer!“ Ganz im Gegenteil, habt ihr schon mal in die Gesichter geschaut wenn ihr etwas verschenkt? Dieses Gefühl kann süchtig machen. Ich versuche zu helfen und das mit meinen Mitteln die mir zur Verfügung stehen. Ich spende nicht, denn das Geld würde nie ankommen! Ach, habt ihr mal den Film „Slumdog Millionär“ geschaut? „Da seht ihr das richtige Leben!“, so Thomas. Die Jungs guckten ihn ungläubig an. Dann zog er seinen Ärmel hoch und zeigte seine Tätowierung auf dem Unterarm. Dort stand in großen Lettern „Nepal“. Er redete über die Menschen in Nepal und das er schon über 15 Mal dort gewesen ist. Ihm gefällt die Mentalität der Menschen, der Ausblick auf den Mount Everest und die Möglichkeiten in der Natur zu leben. Es gibt so viele Möglichkeiten eine Kultur kennen zu lernen und gleichzeitig ein bisschen zu helfen. Er lobte uns als Eltern, das wir unseren Kindern so viel mitgeben. Das tat mir unglaublich gut, denn ich habe oft das Gefühl das die Kinder nur mitreisen und selbst die Reise als Chance nicht sehen können. Aber ich nehme mich zurück und genieße das Gespräch. Aus den Jungs sprudelte es, wie sie den Müll in Sri Lanka empfunden haben. Die Begegnungen mit den Menschen die in einer Krise leben, das Lügen, die Unehrlichkeit und die Sorgen. Das Vertrauen zu den Thailändischen Menschen gefunden haben, der Umgang mit den Tieren in den Ländern, wie Tiere behandelt werden usw usw. Der Abend war erfüllt von Erlebnissen und die Neugier auf neue Länder wie Nepal wuchs. Die Jungs wurden getriggert. Sie haben beide beschlossen, mehr aus der Zeit zu machen. Den Ländern noch mehr Respekt zu widmen, mehr zu beobachten, von allem mehr! In diesem Moment habe ich mich gefreut, das sie erkennen, das sie in der Gruppe „Reisende“ aufgenommen wurden. Sie sind nicht mehr die Urlauber oder die Mitreisenden der Eltern.
Zurück zur „Märchenwelt Deutschland“. Dieser Begriff ist gefallen als wir über den Müll geredet haben. Zu Hause werden für die letzten Prozente der Verbesserung der Mülltrennung und Aufarbeitung sehr viel Aufwand betrieben. Wir waschen die Yogurt Becher aus und unser Nachbar macht uns darauf Aufmerksam wenn die Mülltonne nicht ganz korrekt an der Straße steht… so das Gefühl! Mein Mann und ich haben auf Sri Lanka eine Mülldeponie besucht und uns vor Ort ein Bild über die Zustände gemacht. Eine kaputte Maschine und eine sehr veraltete Maschine und ganz viel Manpower sind dafür zuständig den wenigen Müll den die Abfuhr täglich einsammelt aufzubereiten.

Das Prinzip ist kein anderes als in Deutschland, doch es bedarf einer neueren Anlage und das Mindset der Menschen die dort leben auch den Müll in die Tonne zu werfen und nicht in den Garten zu kippen. Mit anderen Worten, hier könnte mit viel weniger Aufwand ein extrem großes Ergebnis erzielt werden. Ich habe recherchiert und herausgefunden das Deutschland auf Platz 2 (Statistik 2021) des DACEntwicklungsausschusses der Organisation für die wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) – Geber steht. Vor uns steht die USA. Wir als kleines Deutschland geben 0,74% für Entwicklungshilfe am Bruttonationaleinkommen (das ist die ODA-Quote) aus. Das ist nicht der Klimaschutz, der kommt mit Billionenbeträgen noch obenauf.
Ich habe weiter recherchiert und wollte an dieser Stelle wissen, ob es von Deutschland.de Programme gibt wo Studenten ins Ausland versendet werden um Entwicklungshilfe zu leisten. Ob es Möglichkeiten gibt für einen Ingenieur oder anderen Berufen sich für 1 – 2 Jahre an Projekte im Ausland zu beteiligen, Know How einzubringen um Entwicklungsländer zu unterstützen. Ich habe nichts darüber gefunden. Was ich gefunden habe sind Organisationen wie „Brot für die Welt“, OECD (Official Development Assistance), deutschland.de, World Vision u.vm. Was mir allerdings neu war ist, dass es viele Organisationen gibt wo ich als Helfender Geld bezahlen muss. Das kann bei einigen Projekten schnell über 600€ liegen pro Woche. Ich habe darüber mit jungen Menschen (Alter von 18- 20Jahre) diskutiert und die kennen solche Projekte, würden auch gerne helfen, aber bringen das Geld nicht dafür auf. Das ist für mich an dieser Stelle wirklich nachvollziehbar. Ich würde in diesem Alter auch eher als Backpacker durch Thailand ziehen als Geld zu bezahlen für eine Arbeit die ich noch gar nicht einschätzen kann wie wichtig sie ist. Das ist für junge Menschen nicht eindeutig formuliert. Belehrt mich gerne wenn ihr eine andere Sichtweise auf die Dinge habt.
Der Bogen zur Überschrift ist die Tatsache, das wir in Deutschland viele Regeln und Vorschriften haben. Für die nächsten Zeilen habe ich fünf Anläufe genommen. Es ist nicht so einfach auszudrücken, das Deutschland einen mit seinen Regeln und Vorschriften „erdrückt!“ Das einfach mal machen wird so erschwert, das es einen daran hindert ins TUN zu kommen. So liegt gefühlt viel Potential auf Eis. Manchmal denke ich, das es auch einer der Gründe ist, warum viele Unternehmen erst das drum und dran durchdenken und erforschen bevor diese ins „Tun“ kommen. . .
Wir sind perfekt im Reden und uns gegenseitig zu behindern. Eine natürliche Respektgrenze gibt es in Deutschland nicht mehr, wir sind glatt und gebügelt, das ist es was Thomas mit „Märchenwelt Deutschland!“ ausdrücken wollte. Das Leben als solches ist in anderen Ländern mehr zu spüren. Mag auch an der Tatsache liegen, das sich in Asiatischen Ländern das Leben auf der Straße abspielt. Wir sehen, riechen und hören mehr. Was haben wir „mitgenommen“?. Wir sind ruhiger geworden, gelassener und weicher. Der Blickwinkel erweitert und eine Verbindung zwischen Offline und Online ist in diesem Moment gut ausbalanciert.
Bitte mehr solcher Momente!

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